Die christliche Gemeinde und das jüdische Volk

Die christliche Gemeinde entstand an Pfingsten. Jesus hatte seinen Jüngern gesagt, sie würden mit der Kraft des Heiligen Geistes ausgerüstet werden, was an Pfingsten in Erfüllung ging. Von da an predigten die Apostel das Wort mit Vollmacht und viele Menschen taten Busse und empfingen Vergebung ihrer Sünden und folgten Jesus Christus nach. Am Anfang waren fast alle Gläubigen Juden, doch im Laufe der Zeit fanden immer mehr Heiden zum Glauben an Jesus Christus. Kornelius war der erste Heide, der durch die Botschaft des Petrus das Heil angenommen hatte. Gemässe Epheser 2 ist die Trennmauer zwischen Juden und Heiden in Jesus niedergerissen, denn durch Busse und Glauben an Jesus/Jeschua als Sohn Gottes entsteht ein neuer Mensch. Dies ist der neue Bund, versprochen im Alten Testament, erfüllt durch Tod und Auferstehung von Jesus Christus.

Die ursprüngliche Gemeinde versammelte sich nicht in Kirchen, sondern mehrheitlich in Häusern und auch im Tempel in Jerusalem. Die Gläubigen hielten weiterhin die jüdischen Traditionen und feierten die jüdischen Feste. Jüdisch zu sein und gleichzeitig an Jesus Christus / Jeschua zu glauben, war kein Widerspruch, sondern Erfüllung biblischer Prophetie. Jesus Christus war der jüdische Messias, sein Angebot des Heils gilt den Juden zuerst aber auch allen Völkern der Erde (siehe Römer 1.16). Die Juden sind das Volk Gottes und Jeschua ist König der Juden. Gemäss Römer 11,16-21 sind die Gläubigen aus den Heiden als wilde Zweige in den edlen Ölbaum (Israel) eingepfropft. So werden wir Teilhaber der göttlichen Segnungen für Israel. Wenn Jesus einst wiederkommt, wird er in Jerusalem als König regieren und ein Friedensreich aufrichten.

Im Jahre 70 n.Chr. zerstörten die Römer den Tempel in Jerusalem und in den darauffolgenden Jahrzehnten floh das jüdische Volk mehr und mehr in verschiedene Länder.

Dadurch begann die Zeit der Diaspora.

In den ersten Jahrhunderten entstanden in der Gemeinde Konflikte wegen verschiedener Lehrmeinungen. Gläubige aus den Juden wurden aus der Gemeinde verdrängt. Am Konzil von Nicäa wurde das Christentum zur offiziellen Religion im römischen Reich, und dadurch war die römisch-katholische Kirche etabliert. Von Anfang an hatte die katholische Kirche eine Lehre, die in wichtigen Punkten der biblischen Botschaft widersprach (Papsttum, Zölibat, etc.). Die jüdisch-biblischen Feste wurden durch christliche Feste ersetzt, die oft mit heidnischer Tradition vermischt waren. Der Sabbat wurde durch den Sonntag ersetzt (ursprünglich der Tag des Sonnengottes) und die Lehre der Ersatztheologie, dass die Christen nun das wahre Volk Gottes seien und die Juden keine besondere Bedeutung mehr haben, verbreitete sich.

Die Kirche wurde in ihrer Lehre und Ausrichtung mehr und mehr antijüdisch. Juden, die nicht zum Glauben an Jesus Christus fanden, wurden im Verlaufe der Jahrhunderte von der Kirche heftig verfolgt. Kreuzzüge, Inquisition, Pogrome und schliesslich der Holocaust in Hitlers Reich bildeten grausame Höhepunkte der Judenverfolgung.

Auch die Reformation veränderte die Beziehung zu den Juden grundsätzlich nicht. Selbst Luther wandte sich in seinen späten Jahren gegen die Juden und verfluchte sie mit schlimmen Worten.

Während der ganzen Zeit seit der Entstehung der christlichen Gemeinde gab es aber echte und hingegebene Christen mit einer tiefen Liebe zu den Juden als Volk Gottes. Auch gab es zu allen Zeiten Juden, die im Messias Jesus Heil fanden und Ihm dienten.

Erst nach der Staatsgründung Israels 1948, als die messianische Bewegung in Israel zu wachsen begann, wurde die Wichtigkeit und Bedeutung des jüdischen Volkes von der christlichen Kirche neu ‚entdeckt‘. Es entstanden viele Organisationen, die sich innerhalb der christlichen Kirche für Israel einsetzen, sei es durch humanitäre und praktische Hilfe, durch Gebetseinsätze für Israel, durch Versöhnung und Aufarbeitung der Vergangenheit oder in aktiver Unterstützung der messianischen Bewegung in Israel. Biblische Lehre über Israel und seine besondere Stellung als auserwähltes Volk sowie über Jesus als jüdischen Messias, der wieder nach Jerusalem kommt um das messianische Reich zu etablieren, haben einen wichtigen Einfluss auf die endzeitliche christliche Gemeinde.

Cornelia Kuruc