Gottes Plan mit Israel und den Völkern

Nach biblischem Verständnis hat Gott einen Plan für alle Völker, und der Schlüssel für diese göttlichen Pläne liegt im Volk Israel.

Die besondere Erwählung Israels durch Gott, wie sie in der Bibel bezeugt wird, hat ein Ziel: Israel soll als Repräsentant Gottes der Welt Gottes Herz und Seinen Willen offenbaren. Diese Erwählung Israels und seine besondere priesterliche Berufung für die anderen Völker wird beim Bundeschluss Gottes mit seinem Volk am Sinai deutlich ausgesprochen: „Werdet ihr nun meiner Stimme gehorchen und meinen Bund halten, so sollt ihr mein Eigentum sein vor allen Völkern; denn die ganze Erde ist mein. Und ihr sollt mir ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk sein.“ (2. Mose 19,5+6)

Israel, der von Gott „erstgeborene Sohn“ unter den Völkern (2. Mose 4,22), hat eine geistliche Vaterschaft für die anderen Völker. Es soll ihnen Gottes Offenbarung bringen. Zentrale Werte dieser Offenbarung Gottes sind: Die Welt ist kein Zufallsprodukt, sondern Gottes Schöpfung. Jeder Mensch ist ursprünglich Gottes Ebenbild und daher von unschätzbarem Wert. Gott überlässt die Welt nicht dem Chaos, sondern gibt göttliche Gebote und Ordnungen. Jahwe, der Gott Israels, ist ein Gott der Liebe und sucht eine Herzensbeziehung nicht nur zu seinem Volk Israel, sondern zu den Menschen aller Völker. Er hat das erbarmende Herz eines Vaters, der immer neu vergibt und einen neuen Anfang schenkt (Psalm 103, 1-13)

Durch Israel kommt Gottes Segen auf die ganze Erde. Schon bei Abraham, diesem Erzvater Israels, heisst es: „In dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde.“ (1. Mose 12,3) Zur vollen Dimension dieses Segens für alle Völker kommt es dann durch den Messias Jesus. Er ist zugleich König der Juden wie auch Heiland der ganzen Welt. Seine Sendung für die ganze Welt wird im Johannesevangelium zusammengefasst: „Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“ (3,16). In diesem umfassenden Sinn „kommt das Heil von den Juden“ (Johannes 4,22).

Die ganz besondere Erwählung und Berufung Israels für die Völker bringt auch eine ganz besondere Schattenseite mit sich: Unverständnis und Neid, Hass und Verfolgung; ja, der ganze Strom des jahrtausendealten Antisemitismus hat hier seine ursprüngliche Quelle. Darin wird Gott selbst, der dieses Volk besonders geliebt und zu seinem Repräsentanten für die Völker gemacht hat, abgelehnt.

Inmitten aller tragischen Geschichte, auch des Versagens von Israel selbst und der Sünden der Christen gegenüber seinem erwählten Volk, hat Gott mit der Neugründung Israels im Jahr 1948 einen Neuanfang gesetzt. Es ist ein sichtbares Zeichen von Gottes unzerstörbarer Treue zu seinem Volk und seinen Heilsplänen für alle Völker.

Jerusalem soll wieder ein „Gebetshaus sein für alle Völker“ (Jesaja 56,7), und der Prophet Jesaja spricht sogar von einer kommenden Völkerwallfahrt nach Jerusalem: „Viele Völker werden hingehen (nach Zion) und sagen: Kommt, lasst uns auf den Berg des HERRN gehen, zum Hause des Gottes Jakobs, dass er uns lehre seine Wege und wir wandeln auf seinen Steigen! Denn von Zion wird Weisung ausgehen und des HERRN Wort von Jerusalem.“ (Jesaja 2,3) Von dem Gott Israels bekommen auch die anderen Völker Rat, Vision und Weisung für ihr eigene Bestimmung.

Es ist deutlich, dass die ganzen gegenwärtigen Kämpfe um Israel und Jerusalem nicht nur poltischer und militärischer Natur sind, sondern zeigen, wie umkämpft diese Berufung Israels im Zusammenhang mit den Heilsplänen Gottes für alle Völker ist.

Im Neuen Testament bekommt die Berufung Israels als Gottesvolk noch eine grosse Ausweitung. Durch den Messias Jesus werden die Gläubigen aus Israel und die Gläubigen aus den Völkern zu einem neuen, grösseren Gottesvolk, ja zu einem „neuen Menschen“ (Epheser 2,15), zusammengeschlossen. Was am Sinai nur für Israel galt, wird jetzt diesem neuen Gottesvolk, zu dem nun zusammen mit den Gläubigen aus Israel auch die Gläubigen aus den Völkern gehören, zugesagt: „Ihr aber seid das auserwählte Geschlecht, die königliche Priesterschaft, das heilige Volk, das Volk des Eigentums, dass ihr verkündigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht.“ (1. Petrus 2,9)

Dies ist ein grosser Auftrag: Das neue Gottesvolk aus Israel und den Nationen hat die Berufung, gemeinsam Gottes Herz unter den Völkern zu repräsentieren und Seine Wohltaten zu bezeugen.

Keine der beiden Gruppen kann dies für sich allein; nur zusammen können sie diesen Auftrag Gottes erfüllen. Dadurch sollen einmal „alle Völker zu Jüngern des Messias“ werden (Matthäus 28,29), und es sollen einmal - wie es im Psalm 22,28 heisst - einmal alle Völker der Erde den Gott Israels anbeten.

Michael Herwig